MULTILAYER Vision 20/20 part II
Schloss Plüschow Museum, Germany
11.07 - 15.08.2021

Curated by Ivo Ringe and Juliane Rogge

Thanks to THE DORF Magazin for this interview. The Dorf / 8.3.21, Kunst mit Isabella Til
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Sis Corp. No. 1–11
all works: acrylic on canvas, digital printing, sewing, painted front and verso, wire bow, in addition some works with: garbage bag, lettering, each work approx. 110 x 60 x 10 cm

The online vernissage organized by female.vision on International Women's Day 2021 brought about an intense exchange of questions about the series of works Sis Corp.
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On view till March 17, 2021 at Felix Ringel Galerie, Düsseldorf

In der Arbeit SIS CORP. setzt Isabella Til ihre Auseinandersetzung mit Rollenstereotypen fort und „degradiert“ eigene Fragestellungen der abstrakten Malerei zu Mechanismen, um noch bestehende tradierte Probleme im Rollenverständnis der Geschlechter offenzulegen. Die Arbeit möchte sensibilisieren und Dialoge eröffnen, um so Lösungen der hartnäckigen Schwierigkeiten im Zusammenleben jenseits politischer Bestimmungen weiter voran zu treiben. Dieses, ab Familiengründung, besonders komplexe Thema beruht meist auf rein privater Verhandlung.

Mit dem Ansatz „verlockend schön“ statt schockierend oder anklagend zu sein, eröffnet sich das Thema in seiner kritischen Ambivalenz eher auf den zweiten Blick. Frauen sind angesprochen: Hier aktiviert der Titel „Sis“ = Kurzform für sister – ähnlich dem männlich-solidarischen „Bro“ – in Verbindung mit dem amerikanischen Kürzel für Corporation, „Corp.“ = Unternehmen, bewußt ein deutliches Gruppenbewußtsein, da es an den Frauen ist, ihre Forderungen zu artikulieren. Aber auch Männer sind zum gemeinsamen selbstkritischen Diskurs von Selbstverständnis und Anerkennung eingeladen. Dies gilt selbstverständlich für jegliche Paare mit ebensolchen Konflikten. Der Zugang zu der zugrundeliegenden (erschreckend traditionellen) Problematik wird im besten Fall beiderseits kritisch-reflektierend aber ohne übertriebene Polemik auf neue Weise ermöglicht.

Dem Gedanken folgend, ob das Medium, das Bild, schon ein Teil der Nachricht werden kann, stellte sich die Frage nach dem Format. Wo findet sich ein allgemein weiblich besetztes Zeichen? Womit identifizieren sich besonders Frauen aber auch Männer reagieren darauf? Diese Überlegungen führten zum Kleid. Kleider werden – bis auf wenige avantgardistische Ausnahmen – in der westlichen Industriegesellschaft ausschließlich von Frauen getragen. Insofern wurde der Träger das Kleid aus Leinwand. Ein deutlich erkennbares feminines Symbol, aber zugleich interessant für alle.

Das Kleid wird aus zuvor klassisch aufgespannter, bemalter und zum Teil bedruckter Leinwand geschnitten und zusammengenäht: einfache Vorder- und Rückseite, flach und ohne Abnäher mit rohen Saumkanten. Das zweiseitige Kleid-Bild wird dadurch zur Requisite eines Protests und befragt insofern auch die tradierte Malerei.
Das Kleid hängt an einem herkömmlichen Drahtbügel und kann so von beiden Seiten gehängt oder, eine Verkaufssituation imitierend, im Raum installiert werden. Es gibt eine einzige Kleiderform: das bewußt figurbetonte, etwas retrohafte Shiftkleid (der 70er), das in seiner naiven Zeichenhaftigkeit sofort erkennbar ist und gleichzeitig, steif durch die Malerei, auch fast unangenehme Gedanken an eine korsettartige (Corporate)-Uniform hervorruft.

Auf den ersten Blick heiter und angepasst werden die kritischen Muster erst beim genaueren Hinsehen offenbar, denn tatsächlich hat sich die oben erwähnte Grundproblematik in Deutschland für das Gros der Frauen seit den 60er Jahren nur wenig verändert. Eher bürden sich ambitionierte Frauen tapfer noch mehr auf, wenn sie ihren Traum von Familie, Karriere und zeitgemäßer Unabhängigkeit (die mit Kindern sowieso eingeschränkt ist) erfüllen wollen. Das Thema birgt noch immer Konfliktpotenzial.

Die zusätzlich aufgedruckten, im Alltag gefundenen Motive, der Kleider wirken zuerst als Dekor und offenbaren ihren kritischen Inhalt auf subversive Weise. Dies sind z.B. Abbildungen von überquellendem Abwasch im Spülbecken, Frauen, die fröhlich für Putzmittel werben, Frauen, die im Job am Laptop telefonieren und gleichzeitig „pietà-artig“ Babies betreuen, Frauen, die bei Schularbeiten helfen und Abbildungsfetzen von Frauen im Schönheitswettbewerb. Zudem gibt es dekorativ-wütende Motorsägen sowie Schrauben oder Bohrer – typisch männlich konnotierte Gebrauchsgegenstände – auf malerischem pastell. Schraubenschlüssel in Form von Rosetten, die wie Zahnräder ineinandergreifen, beschreiben die Mechanik der Vorgänge. Dabei finden sich auch Sinnspiele, wie „screw“ (engl. Schraube) was unmittelbar den Begriff „screwed“ (engl. für aufgeschmissen) assoziiert oder das Bild der Schrauben-„Mutter“, welche deutlich in das für die Entstehung des Kindes nötigste Körperteil der Frau projiziert ist.
Die Wiederholung der, stellvertretend für ganze Themenkomplexe stehenden, Motive aus der Realität, auf der zum Kleiderdekor gewordenen Malerei imitiert nicht nur ein textiles Muster, sondern deutet gleichzeitig auf die schlichte Menge der zwischen den Akteuren immer noch und immer wieder zu verhandelnden Situationen und Ereignisse.

Einzelne Kleider irritieren mit der teilweisen Verhüllung durch beschrifteten schwarzen Plastiksäcke. Die Aufschriften sind zweideutige, immer gleich strukturierte, englische Sätze in Ich-Form, wie z.B. „I am too clueless to have respect.“ Dieser Geständnis-Satz könnte so gleichzeitig von einer Frau oder auch von einem Mann stammen. Er bezieht sich hier auf das, in dem Müllsack verschwindende, Kleid mit Aufdrucken von Frauen bei diversen Miss-Wahlen. Von der Warte der Frau gesprochen, bedeutet der Satz, dass sie keine Ahnung hat, wie sehr sie mit ihrem Verhalten sich und dem Ansehen aller Frauen schadet, indem sie den Respekt vor ihrem Körper verloren hat und mit anderen Frauen auf banalster Körperebene konkurriert. Dies spricht nicht nur die oft auch beruflich fehlende Solidarität unter Frauen an, sondern vage auch das Thema Altern. Aus Männersicht gesprochen zeigt der Satz die noch immer zu häufige Respektlosigkeit, welche Frauen auf ihre Physis reduziert, ob absichtlich oder aus naiver Ahnungslosigkeit.

Auch typische Ausreden-Sätze offenbaren wechselseitig mögliche Denkmuster, wie „I am too busy to care.“ oder „I am too involved to rethink structures.“ Sie aktivieren die persönliche und selbstkritische Reflexion eines jeden, der sich der Tragweite dieser bequemen Haltung bewußt ist. Frauenabbildungen aus der Putzmittelwerbung sprechen neben dem Stereotyp auch die Minderqualifikation, das schlechte Selbstbewußtsein und die Verzagtheit vieler Frauen an. Ermuntert der liegenbleibende Abwasch in Verbindung mit dem Satz: „I am too busy to care.“ (Frauen), die vielen Ordnungstätigkeiten des Haushaltes und der Kinderbetreuung, ebenso wie viele Männer, zu ignorieren und ihre Karriere und Weiterbildung zu verfolgen?

Der Arbeit zu Grunde liegt die noch immer komplexe Problematik der Verstrickung von Frauen in dem Dilemma der Eigen- sowie Fremderwartung zwischen Karriere und „guter Mutter“ unter gleichzeitig authentisch-cooler Bewahrung ihrer persönlichen Weiblichkeit. Ein häufiger Spagat, der nicht nur durch männliche Widerstände, wie sog. Mansplaining, Gender Pay Gap, Quoten, psychologische und ökonomische Dominanz oder sogar soziologische Studien zur optimalen Kindererziehung erschüttert wird, sondern oft auch durch den eigenen von Frauen selbst gemachten Perfektionismus, einigen hartnäckig bestehenden Konventionen genügen zu wollen, (denen sich viele wie einem Korsett unterwerfen), an Grenzen gerät. Es ist nun mal nicht jede(r) unabhängig genug, um sich diesen Drücken vollständig zu entziehen, zumal der Faktor Liebe sowie die Sorge und Verantwortung für das Leben und die Sozialisation der Kinder häufig Handlungen hervorbringt, die man vorher eher nicht für sich in Betracht gezogen hätte. Ebenso ist zu bemerken, dass Männern unreflektiert häufig immer noch die Rolle des Existenzsicherers der Familie zugeschrieben wird, was ein ebensolches Stereotyp darstellt.

Nur zu gern zentriert sich jedoch die sog. Mental Load der vielen „unwichtigen“ Dinge des Familienalltags, das inzwischen so betitelte Gender Care Gap, noch immer auf die Frauen, ob sie die Dinge nun an sich reißen oder es praktisch „nicht anders geht“ und stellt häufig in der Erledigung „nebenher“ eine hohe Belastung dar, die zudem kaum honoriert wird. Trotzdem oder gerade deshalb ist die, ihre Situation monierende, Gruppe der Frauen zur kritischen Analyse aufgerufen. Das komplexe Thema ist zweifellos gesellschaftlich nur in gemeinsamen Offenheit und Fairness lösbar.

In der Zweideutigkeit des „second view“ und dem teils widersprüchlichen Zusammenwirken von Form und Inhalt auf verschiedenen Ebenen spiegelt die Arbeit einen vielschichtigen gesellschaftlichen Konflikt. Hierin liegt viel kommunikative Energie der Werkgruppe, die aber auch in Einzelteilen funktioniert und im Aufbau flexibel ist.

MULTILAYER | Vision 20/20, international groupshow
October 10, 2020 – April 25, 2021

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Here you are linked to a guided tour of the exhibition with Juliane Rogge and Carl-Juergen Schroth on youtube.

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Kuratiert von Juliane Rogge MA und dem Künstler Ivo Ringe.

Mit Werken aus Ungarn, Großbritannien, Serbien, Slowenien, Holland, Belgien, Norwegen, Spanien, den USA und Deutschland wird MULTILAYER als Wanderausstellung reisen – nach der ersten Station im RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner, Soest, DE (10.10.20 – 25.04.21) wird sie im Künstlerhaus Plüschow, DE, in Tremenheere Sculpture Gardens, Penzance/Cornwall, GB und im Vasarely Museum, Budapest, HU zu Gast sein. Weitere Stationen sind in Planung.

Pressetext:
Mit Arbeiten von rund 50 internationalen Künstlerinnen und Künstlern richtet MULTILAYER. Vision 20/20 den Blick auf ein aktuelles Phänomen der konkreten Kunst, das gegenwärtig vielerorts in den Ateliers stattfindet: die Mehrlagigkeit der Darstellung in der Bildfläche.
Die Werke zeugen im zweidimensionalen Medium – insbesondere Malerei und Zeichnung – von mehrdimensionalem Denken und Formulieren, während sie zugleich die perspektivische Darstellung definierter Räume überwinden. Vielmehr überlagern sich gleichzeitig und am selben Platz unterschiedliche Strukturen, die zusammenwirken und dennoch individuell erkennbar bleiben.

Die strukturelle Vielschichtigkeit bringt mit der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Vorgänge, der „Simultanität von Ereignissen“ (Thomas Micchelli) einen Aspekt der Wirklichkeit zum Ausdruck – ähnlich der Überlagerung von Erinnerungen und Zukunftsvorstellungen in der Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments.
Im Verhältnis von in sich geschlossener Eigenständigkeit und bezugnehmendem Miteinander ist der Zwischenraum der Bildebenen eine Information für sich: Hier wird eine besondere Tiefe und eine eigene Energie erzeugt und spürbar.

Die Ausstellung, die als beobachtender Zugriff auf ein aktuelles, lebendiges Phänomen verstanden werden kann, führt vor allem Malereien und Zeichnungen zusammen, die größtenteils in den letzten beiden Jahren entstanden sind und zeigt damit die vielfältigen eigenständigen Positionen von Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Generationen und Nationalitäten, mit denen sie sich diesem Thema zuwenden.

Conversation with Lucas Cranach the Elder (Melancholy)
framed 117 x 99 cm, unframed 108,5 x 91 cm

Untitled Reality
DAVID BEHNING GALERIE, Düsseldorf, 1. Juli – 22. August 2020

mit Dachroth + Jeschonnek, Martin Denker, Dominik Geis,
Jochen Mühlenbrink, Roland Schappert, Isabella Til

Corona Papers, 2020
Pencil, charcoal, acrylic on Hahnemühle paper, 29,7 x 42 cm

ISABELLA TIL
Area und Fluidum

March 26 – May 8, 2020

Felix Ringel Galerie
Düsseldorf
felixringel.com

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June – August 2020
PArt online exhibition & funding, Spiegelberger Stiftung Hamburg
(awarded with PArt fund by jury: Johann König, Dr. René Scheu, Georgina Pope, Daniel Richter, Leiko Ikemura, Markus Eisenbeis, Prof. Dr. Thomas Girst, Florian Illies)

Artist talk on "PArt"-platform with René Spiegelberger and Anne Simone Krüger from Spiegelberger Stiftung Hamburg

ISABELLA TIL – EXPEDITION AN DIE RÄNDER DER MALEREI

Isabella Til betreibt Malerei als Experimentierfeld. An den Rändern des klassischen Malereibegriffs beginnt ihr Spiel mit der Verschmelzung von digitalen und malerischen Mitteln. Aus der Synthese entstehen Bilder, die tradierte Fragestellungen umformulieren. So bilden die geometrischen Formen in ihren Arbeiten harmonische Gefüge, die tief ineinander verschachtelt sind, ohne dabei im traditionellen Sinne einen illusionistischen Tiefenraum zu erzeugen. Stattdessen lagern bis zu fünfzig Ebenen übereinander. Mal transluzent und mal opak, erzeugen sie ein enigmatisches Raumgefüge und spielen mit dem einfallenden Licht. Die sowohl malerisch als Aquarell oder Zeichnung erstellten, als auch aus eigenen Archiven reproduzierten oder digital weiter entwickelten Bildelemente, verweben sich am Computer zu neuartigen komplexen Bildräumen. Diese erzeugen – genauso wie die mit Acrylfarbe übermalten Bildzonen – Lichtreflektionen, welche einen Zustand zwischen digital und analog erschaffen. In diesem Zwischenraum lösen sich Grenzziehungen auf, nur schwer lässt sich nachvollziehen, ob die einzelnen Schichten manuellen oder technischen Ursprungs sind.

Licht ist ein wesentlicher Aspekt der Arbeiten, die allesamt Unikate sind. Doch statt die seit dem Mittelalter virulente Frage danach zu stellen, wie das Licht ins Bild kommt, geht es in Isabella Tils Kunst auch darum, wie die am Bildschirm aus Licht entstehenden Bilder in die analoge Realität hinein geboren werden können, welche Transformationen sie dabei erfahren und wie sich die Präsenz im Realraum durch Übermalungen modifizieren lässt. Bereits seit den 80er Jahren sind der Computer und die Fotografie für die Künstlerin äquivalent zur Staffelei geworden. Der Anfang ihrer heutigen Arbeitsweise liegt in einer Serie eigener Fotogramme aus den Jahren 1983-85 begründet, welche die Künstlerin für sich wiederentdeckte. Fasziniert von diesen Collagen und den feinen Übergängen der grauen Tonalitäten, begann sie diese in den Fokus ihrer Arbeit zu stellen und ihnen mittels schwarz-weißer Aquarelle und Experimente am Rechner in verschiedenen Variationen nachzuspüren.

Die Serie Area aus dem Jahr 2017 ist Ausdruck dieser interdisziplinären Feldforschung. In subtil nuancierten Fragmenten fügen sich die Arbeiten – trotz ihrer reduzierten Unfarbigkeit – zu einer poetischen Sequenz von Farbakkorden jenseits von einfachem Schwarz und Weiß zusammen. Die Wahrnehmung, so zeigt sich hier, wird maßgeblich von unseren Beobachtungen, Seherfahrungen und Erwartungen geprägt.

Dieser Erwartungshorizont wird auch in der nachfolgenden Werkreihe Fluidum aus dem Jahr 2018 geprüft. Denn die scheinbar aquarellierten, nunmehr pastelligen Farbflächen, sind wiederum teils digital produziert und schließlich partiell übermalt. Sie generieren einen Bildraum, der mit fließenden Elementen, transparenten Schichtungen und Lasuren das Auge in ein Vexierspiel verwickelt, indem die immateriell-digitalen und die materiell-haptischen Elemente überraschende Farb- und Formereignissen generieren. Eine weitere, visuelle wie auch inhaltliche Ebene, eröffnet sich in der Serie McLuhan aus dem Jahr 2019. Zwischen die abstrakten Schichten schieben sich figurative Momente: ein Stück eines klassizistischen Textblattes, Fragmente eines Geldscheins, die Makroaufnahme eines Kabelgewirrs oder eines Tablets.

Alle Werkreihen verbindet die Beeinflussung durch den Konstruktivismus, die sich in den geometrisch-kristallinen Konstruktionen zeigt. Die strengen klaren Formen sind jedoch gepaart mit freien gestischen Momenten. Klar geordnete Strukturen treffen auf freie wogende Linien. Ebenfalls immer wiederkehrend sind Konstruktionen, die an Treppen erinnern – paradox, da Treppen normalerweise ein Weiterkommen suggerieren, in christlichen Bildern gar ein Ankommen. Besonders in den Heiligenbildern der italienischen Renaissance ist der Betrachterstandpunkt oftmals unterhalb einiger Stufen angesiedelt und am Ende der Treppe warten Maria und das Kind. In Isabella Tils Bildräumen ist dagegen keine „Erlösung“ in Sicht – die dynamischen Kompositionen bilden eigene, den Betrachter ins Bild ziehende Kadenzen (1). Man könnte sie als Sinnbild der digitalen Weiten ansehen, in welchen es ebenfalls kein Ankommen gibt, sondern eher ein mögliches Abzweigen. Foucault bemerkte bereits 1967, wir seien nun „in ein Zeitalter der Gleichzeitigkeit eingetreten, dessen Ordnungsstruktur das räumliche ‚Netz’“ ist.(2) So ist auch die Erzählstruktur der Serien, in denen Isabella Til stets arbeitet, keine lineare, sondern eine parallel verlaufende. Das Narrativ zieht sich über die verschiedenen Bilder der, einer Versuchsanordnung gleichenden, Werkreihen hinweg. Trotz der nach außen drängender Dynamik fordern die Arbeiten zu Kontemplation und vergleichender Betrachtung von Sequenzen und Raumschichtungen auf, die simultan nebeneinander existieren.

Isabella Tils an den Rändern der klassischen Malerei angesiedelte Bilder sind Sinnbilder eines Zeitgeistes. Digitale Möglichkeiten treffen auf reales Erfahren, die Präsenz des Lichts wird neu verhandelt und die ungreifbaren Bildschichtungen, die eine Lokalisierung des Betrachters im Bildraum schier unmöglich machen, ermutigen uns zur eigenen Neuverortung in einer Welt, in der sich die Ebenen und Wahrnehmungsmuster verschieben. Ihre Bilder stellen Ideen eines befreiten Prozesses dar, in dem Denken und Handeln zugleich in offener Schwebe und in ständiger Reflexion sind, der aber in seinen Harmonien stets am Menschen orientiert bleibt.

Anne Simone Krüger

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(1) Der Begriff Kadenz entstammt der Harmonielehre und bezeichnet in der Musiktheorie eine Akkordfolge.

(2) Michel Foucault: Von anderen Räumen, in: Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, hg. von Jörg Dünne und Stephan Günzel, Frankfurt am Main 2006. S. 317-329, S.317.
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Wanderung, 2020
Acrylic on archival fine art print, unique, framed 165 x 230 cm

permanent on view at restaurant "Klee's"
K20/Kunstsammlung NRW, Grabbeplatz, Duesseldorf

McLuhan
Acrylic on fine art print, 29,7 x 42 cm

Herbert Marshall McLuhan (1911-1980) was a Canadian philosopher. His work is one of the cornerstones of the study of media theory. McLuhan coined the expression "the medium is the message" and the term "global village", and predicted the World Wide Web almost 30 years before it was invented.

"The medium is the message" is a phrase introduced in McLuhan's book "Understanding Media: The Extensions of Man", published in 1964. McLuhan proposes that a medium itself, not the content it carries, should be the focus of study. He said that a medium affects the society in which it plays a role not only by the content delivered over the medium, but also by the characteristics of the medium itself.

For McLuhan, it was the medium itself that shaped and controlled "the scale and form of human association and action." Taking the movie as an example, he argued that the way this medium played with conceptions of speed and time transformed "the world of sequence and connections into the world of creative configuration and structure." Therefore, the message of the movie medium is this transition from "lineal connections" to "configurations."

As society's values, norms, and ways of doing things change because of the technology, it is then we realize the social implications of the medium.

Already in the early 1960s, McLuhan wrote that the visual, individualistic print culture would soon be brought to an end by what he called "electronic interdependence": when electronic media replaces visual culture with aural/oral culture. In this new age, humankind will move from individualism and fragmentation to a collective identity, with a "tribal base." McLuhan's coinage for this new social organization is the "global village".

Furthermore, McLuhan coined and certainly popularized the usage of the term "surfing" to refer to rapid, irregular, and multidirectional movement through a heterogeneous body of documents or knowledge, e.g., statements such as "Heidegger surf-boards along on the electronic wave as triumphantly as Descartes rode the mechanical wave."

Isabella Til’s work "McLuhan" refers to and honors the studies of this far-sighted but since the 80's somewhat forgotten media theoretician. Every sheet that would never have been created without a computer and digital media integrates and cites various media, which significantly changed people's living together, such as money, printing, electric power, the telephone and the radio up to the computer, world wide web and smartphone.

(Source: https://en.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan)

Wanderung (walk), 2019
Watercolour on 300g cotton paper, 36 x 26 cm

Fluidum, series 1
acrylic on fine art print, 50 x 40 cm

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Gen.Volkswagen I, 2018
original front hood VW Beetle (around 1967), framed ink drawing with watercolour

Gen.Volkswagen II, 2018
original rear hood VW Jeans Beetle (around 1974), framed ink drawing with watercolour

Collection Robert Rademacher/Gottfried Schultz SE, Düsseldorf

One could say that the history of the western post-war Germany is closely connected with the history of the VW Beetle at the consumer goods level. It was one of the bestselling cars after World War II and designed with its image as a real „Volkswagen“ as well as composed in its overall marketing structure to fit literally to every citizen. It was produced from 1938 to 2003 and more than 21.5 million cars were sold worldwide. In 1974 VW relocated the beetle production to Mexico. By then the Beetle had already finished its triumphal procession around the world.
While in the post-war German society he started as a vehicle proudly presented as allowing everyone to travel and feel mobile, until the 1970s the Beetle became a student car or the classic second car for the emerging affluent society.

By selecting a spectacular part of a specific VW Beetle as a „pars pro toto“ object trouvé, the work „Gen.Volkswagen“ underscores not only the beauty and myth of design that accompanied a generation, but by the addition of two ink drawings the Beetle parts are spatially and temporally related with questions on female role models of the 60s and the women‘s movement of the 70s.

The bonnet of the 60s (in a very common plain gray color) is accompanied by the drawing of a mother sitting on the edge of a valley with her two little girls (one of whom is the artist). They enjoy the Tyrolean landscape of Fendels , a holiday experience and a female role model as exclusive mother, which they shared with thousands of other western German families of that time. (Interesting in this context is also the fact that until 1958 women of the FRG needed the permission of their husband even for the driver‘s license.)

The second orange VW Beetle rear hood belongs to a „Jeans Beetle“, a special hip Beetle edition, which was launched 1973-75. At that time the Beetle was already a typical student car, as the university sticker shows. At the latest since the American hippie movement, whose favorite car it was, the Beetle also showed a political attitude, here marked by an anti-Nazi-sticker.

The drawing shows a street demo of women. After the student revolts of 1968, the struggle for § 218, which regulated the self-determination of women regarding abortion, again triggered many demonstrations and social discourses until the clause was finally passed in 1975. Since the artist visited a Catholic nuns‘ school in Northrhine Westphalia, the drawing, which is based on a real press photo, shows a nun in costume among the debating women. Strangely, her sight today creates the association with a veiled Muslima.

The work combines a general social development with the personal observations of the artist as part of this society - (feminist) themes are visualized with the help of the iconic success product „Volkswagen“ Beetle, since the artist already had an affinity for automobile design as a child and the beetle accompanied this era.

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gender horizon, 2018
watercolour on paper, 26 x 36 cm

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FELIX RINGEL GALERIE
Duesseldorf

Michael Reisch – Isabella Til, Present Progressive

16 February – 21 April 2018


In context of DÜSSELDORF PHOTO, 16-25 February 2018
duesseldorfphoto.de



As at the beginning of the 20th century Kandinsky and the movement Blauer Reiter proclaimed the rejection from naturalism and Duchamp, Dada and Malewitsch stated the end of painting the freedom of artistic means began. Still photography, although already explored to its abstract and cameraless edges by Moholy Nagy or Man Ray during the 1920s, is mostly associated with the expectation of depicting reality.

Present Progressive describes the process of doing while being aware of the past and simultaneously reaching for the future. One can call it extended photography that strives for progress by means of experiments. An idea is developed rather than just reproduced by expressly including digital tools and technologies into the process. Its potential is explored, played upside down and the other way round like a piece of jazz music. It's more of a mindset than a specific style.

The exhibition shows a confrontation of two positions. Michael Reisch develops his radical invers photography starting the photographic work from algorithms rather than reality and then transforming the so found image into sculpture and architecture.

Isabella Til digitalizes her own photo- and watercolor-templates and transforms them into a new rather reduced imagined scenery by integrating in particular the coincidences that arise from the use of digital tools and the computer program. The work examines three-dimensionality and light in the image by using a minimal canon of form and colour. Her templates cover a period of about thirty years and the resulting digital collages intentionally point to constructivism or early experimental photography. The exploration of the possibilities of abstract representation of light and space becomes an issue. The overpainting of the final print offers further possibilities to either intensify or disturb the compositional structure by creating another sensual and spatial level. The multiple layers create spatial correlations – subtle and transparent or strict and graphic. The work also responds to photography and painting under digital conditions.

Area s/w, series 6
acrylic on paper, 50 x 40 cm

"The original handmade image is digitally deconstructed and, like writing a text, is rebuilt by using different streams of consciousness thus different visual samples at the same time. By integrating coincidence and the possibilities of the digital tool I try to produce a new and interesting structure that generates a new reality. Like in painting one decision leads to another but in contrast to conventional forming processes steps partly can be reversed until the process is stopped and the work of the sequence is found."

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MIXED PICKLES
14 March – 18 May 2017

Hans Op de Beeck
Imi Knoebel
Sabine Moritz
Vik Muniz
Jan Stieding
Isabella Til
Johannes Wohnseifer

Kunst Zürich 16
22nd International Contemporary Art Fair
27th to 30th October 2016
Area s/w, series 1, acrylic on paper, 32 x 24 cm




FELIX RINGEL GALERIE
Duesseldorf

ESCAPE GRAVITY
2 September – 22 October 2016

Ross Bleckner, Jonathan Lasker, Peter Halley, ​I​mi Knoebel , Sabine Moritz, Franz Baumgartner, Max Streicher, Adolf Luther, Isabella Til, Martin Golland, Pascal Sender

Area colour, series 1 and 2, acrylic on paper, about 32 x 24 cm, 2016

Area, watercolour on paper, about 31 x 23 cm (selected), 2016

Area (drawing), pencil and charcoal on paper, 29,7 x 42 cm, 2016

FELIX RINGEL GALERIE
Duesseldorf Photoweekend
12 – 27 February 2016
Isabella Til - Experimentelle Fotografie

res narrandi

The things surrounding us are subtly talking to us. Their pure presence creates an auratic influence on us. The existence of things in human society documents social development as well as personal conditions.

I picked some of them in order to catch the characteristics in a drawing. In my very personal selection I was lead by free association and connection with these items. Although photography would have been stronger in detail, for me it was more accurate to explore these things the way I did. By doing so I could shortly save them from endless stream of decay and forgetting. In this process they became a sort of private encyclopedia of things.

Interesting thoughts to the topic of ”transmission“ I found in the book Die schrecklichen Kinder der Neuzeit (Suhrkamp 2014) by German philosopher Peter Sloterdijk. There he examines history and progress of western postrevolutionary society where continuity of transition from one generation to the other has faded at the beginning of 21st century. In his opinion the individuum of modern society is left to a supposed freedom while society is uncontrollably ”falling“ forward. He discribes the sources and the impact of a uncertainty of origin for a society whose inhabitants he called ”new bastards“. They act in flat organised systems that constanly change, sending and receiving at the same time. Here a ”heritage“ seems to be less attractive and static.

Other parallel thoughts according to the project I dicovered in a collection of still actual essays called Mythologies – Mythen des Alltags written 1957 by French philosopher Roland Barthes. He examined the tendency of contemporary social value systems to create modern myths. Barthes also looked at the semiology of the process of myth creation concluding that every object, idea, picture or text could become a myth.

The collection of almost fifty res narrandi is telling historical stories of a generation, but also very personal ones of where I was and what I found on my way. Thus a miniature golf ticket stands equal beside a Leica camera, a basketball tricot or a Churchill drinking cup.

Isabella Til





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FELIX RINGEL GALERIE
Duesseldorf

ISABELLA TIL
res narrandi

12 January - 27 February 2016





res narrandi, charcoal, colour pencil and pencil on paper, 29,7 x 42 cm (choice from fifty works)

Goethe 30, photography (selected)

"This house opposite Folkwang Museum, Essen contained all the sediments of a lifetime. Corners with a particular atmosphere that often gave and even as pictures today give me a shudder of frozen strangeness and friendly familiarity at the same time."

REFLECT I.T., selected self portraits made in analogue photo-technique between 1988-2001, book project

"Can a photograph carry the feeling and memory of an exact situation? What gives you the impulse to take a picture? For whom do you perform? How will you look at the pictures from a temporal distance? What does it mean for other people? Can one recognize a life pattern in mere pictures? Can they help to understand yourself?

For years and years I just kept on photographing as I started looking at the world through a lens in Folkwang School.
After taking the developed films from the lab, I spend a gorgious time putting the small prints into groups and forming hierarchies and layouts, daydreaming of exhibition walls that would be like a page in a book. It was the heritage of student times in Essen. I was familiar with the work of Nan Goldin, but only much later I heard about Wolfgang Tillmanns. It was in the air, in the music in free life.

I did not only take pictures of myself, but somehow I kept on returning to this very private motive. It was a secret dialogue I kept to myself. (Important side notice: when you are directing a photo lens of an analogous camera on a stretched arm to yourself you never see anything nor know which kind of details will be on the film!)
Finally in those days there was always work or life waiting to be done and I sealed all the contact sheets, prints and negatives into boxes with the feeling that this archive might become interesting at some point in my life. With the rising of the digital camera technique I stopped this dialogue and, funny enough, those pictures today, about 25 years later, look like common selfies made with a smartphone. Something everybody does at any time, rather normal behaviour, no secret, nothing to hide."

Painting with Commodore Amiga
Digital drawings on photographic canvas, mixed media collage (detail)
Art award by BMW Essen, 1988

Potatoes
Mixed media, gouache and collage on cardboard

My back then ambivalent object of hatred, the German potato, suddenly proved to be the ideal combination to my grandmother's old garden chair. Whether by chance or not, with their almost magical inviolability and self-evident existence, they were patient models for all sorts of compositions.

Silkscreens on paper, 60 x 42 cm, photogram on baryta 60 x 42 cm, photography

"It's all about how you look at the world. Examining, finding joy in small things.
In childhood my look was somehow narrowed by the ubiquitous curtains in our house, in every house. So I played with a sort of photographic depth of field to which my eyes enabled me. I focused my view either on the square grid of the curtain itself or on the cut out of the world behind it. The curtain was a protection and an enclosure at the same time. When I entered Folkwang School I slowly got rid of this curtain.

As the silkscreen workshop was always empty, I decided to learn about this craft (that reminded me of Andy Warhol) and realized a couple of serials there. Besides I played the meaning of screen by silkscreening a screen."

Photograms and Collages, on genuine photographic paper Ilfospeed glossy, 29 x 23,5 cm

"I got my first camera 1983, a Canon A1 (which I soon changed for a Nikon), when I started at Folkwang School. Initially I thought that I would draw and paint there. That was my passion. But every student had to do photography aswell as the photogaphers had to draw. That was the concept.
Photography touched me directly and for 2 years I spend most of the day in our well-equipped photo lab. It was so fascinating what you could do, even just in the darkroom. In the same year, in April, I had finished high school. I was a bit sad that I couldn't leave the town for some more exciting place. But then Essen was going to be interesting with all these funky students from allover. And the best was that everybody wanted to do art.

Prof. Inge Osswald (a former assistant of famous Otto Steinert) was a figure of great respect and wisdom to me, a woman somehow asexual and objective like I imagined a female Moholy-Nagy. Through my art course in high school I was very well educated in art history and very impressed by constructivism.
One day I did a series of photograms, with carefully prepared templates, which were inspired by Theo van Doesburg. All grey constructivism. She took them for her collection. I was honoured but still thought of all the work in the darkroom."

Analog black-and-white photography, genuine photographic prints on Ilfospeed glossy, 29 x 23,5 cm (selection)

"The coal area opened up and in my mind turned out to be as funky but not as dangerous as NYC. I explored so many places and got lost on purpose with my red Renault 4: Altenessen, Oberhausen, Duisburg, Gelsenkirchen. I hung out with the photographers because they were wild, cool and partying. I learned a lot about taking care on ones resposibility of the subjective view as a photographer and also about the importance of subline texts in magazines while being a guest in the course of Prof. Angela Neuke, a couragous woman, who was always fighting with her mostly male students. She brought people like Larry Fink and Garry Winogrand for lectures."