In der Arbeit SIS CORP. setzt Isabella Til ihre Auseinandersetzung mit Rollenstereotypen fort und „degradiert“ eigene Fragestellungen der abstrakten Malerei zu Mechanismen, um noch bestehende tradierte Probleme im Rollenverständnis der Geschlechter offenzulegen. Die Arbeit möchte sensibilisieren und Dialoge eröffnen, um so Lösungen der hartnäckigen Schwierigkeiten im Zusammenleben jenseits politischer Bestimmungen weiter voran zu treiben. Dieses, ab Familiengründung, besonders komplexe Thema beruht meist auf rein privater Verhandlung.

Der Gedanke das Format schon als Teil der Botschaft zu nutzen führen zum Kleid als Bildträger. Ein deutliches vorwiegend feminines Zeichen aber zugleich in seiner Historie auch ironisch zitierbar und interessant für große Teile der Gesellschaft.

Das Bild in Form eines Kleides in Miniaturgröße, wird aus bemalter und zum Teil mit Fotos aus kommerziellen Bildarchiven bedruckter Leinwand geschnitten und zusammengenäht. Das zweiseitige "Kleid-Bild" wird zur Requisite eines Protests und befragt insofern auch die tradierte Malerei. Es hängt an einem herkömmlichen Drahtbügel und kann von beiden Seiten betrachtet werden.
Es gibt nur eine einzige retrohafte Kleidersilouhette, die in iher naiven Zeichenhaftigkeit sofort erkennbar ist und gleichzeitig, steif durch die Malerei, ebenso unangenehme Gedanken an eine korsettartige Uniform hervorruft. Auf den ersten Blick heiter und angepasst werden die kritischen Muster erst beim genaueren Hinsehen offenbar, denn tatsächlich ist auch die oben erwähnte Grundproblematik erschreckend tradiert. Ambitionierte Frauen bürden sich häufig mehr auf, als ihre Partner, wenn sie ihre Vorstellung von Karriere und zeitgemäßer Unabhängigkeit mit Familie erfüllen wollen. Das Thema birgt noch immer Konfliktpotenzial, wird aber gemeinhin als „gelöst“ verhandelt.

Einzelne Kleider irritieren mit der teilweisen Verhüllung durch beschriftete schwarzen Plastiksäcke. Die Aufschriften sind immer gleich strukturierte englische Sätze in Ich-Form, die in zweideutiger Weise von jedem der Akteure gesprochen sein könnten. Sie sprechen von Respektlosigkeit und Bequemlichkeit bis zu fehlender Solidarität und Verzagtheit unter Frauen. Mansplaining, Gender Pay Gap, Gender Care Gap sind Schlagwörter zur Beschreibung einer psychologischen und ökonomischen Dominanz. Dazu bringt die Liebe und Sorge für das Leben von Kindern häufig angepasste Handlungen hervor. Eine Lösung dieser Zwänge ist auch gesellschaftlich nur in gemeinsamer Offenheit und Fairness möglich.

In dem teils widersprüchlichen Zusammenwirken von Form und Inhalt auf verschiedenen Ebenen kommuniziert die Arbeit plakativ einen vielschichtigen Konflikt und ist im Aufbau flexibel. Papierarbeiten mit collagierten Textil- und Textfragmenten sind in Ergänzung entstanden.